Wie eine verkrustete Mentalität Gleichberechtigung verhindert

Der "alte weiße Mann" steckt noch immer im Kopf unserer Gesellschaft 

Der “alte weiße Mann” ist wohl eines der meistzitierten Bilder der neueren Frauenbewegung. Nach Sophie Passmanns Definition charakterisiert ihn vor allem die Mischung aus einem “Gefühl der Überlegenheit” und einer “völligen Blindheit gegenüber seinen Privilegien."

Jetzt muss man nicht direkt ins alte-weiße-Mann-Bashing einstimmen, aber darüber nachzudenken, was hier über Generationen hinweg unisono erzählt wird, das lohnt sehr wohl. Müssen wir uns innerhalb von Stereotypen bewegen? Müssen wir entweder Karrierefrau oder Hausfrau und Muttchen sein? Kann nur die Mutter ihre Kinder angemessen versorgen? Und selbst das nie gut genug? Sind Frauen, die beruflich etwas bewegen wollen, rechthaberisch und bossy? Solche, die ihre Karriereansprüche nicht laut genug anmelden, sind nicht ambitioniert genug? Ganz zu schweigen von denen, die den Posten bekommen haben, weil die sind ja nur Quote. 

Feindbilder, Stereotype und eine veraltete Mentalität sind es, die es vielen Frauen erschweren ihren eigenen Weg in die Gleichberechtigung zu finden. Andersherum werden diejenigen Männer, die sich mindestens zur Hälfte um den Nachwuchs und Haushalt kümmern und dafür die Stunden im Job reduzieren, auch nicht gerade bejubelt. Schwer wiegen die althergebrachten Rollenverständnisse von Mann und Frau, die stillschweigend gelebt werden. Nur hier und da werden Stimmen laut, die diese Muster nicht nur hinterfragen, sondern auch aufzubrechen probieren. Dabei kennen wir das doch alle. Haben wir nicht alle schon einmal über die Kollegin, Freundin oder Bekannte gedacht “Wie mutig. Das nächste Mal mach ich das auch?”

Daraus folgt: 

Welche Auswirkungen hat das? Gerade diese Stereotype, also relativ starre, überindividuell angelegte und weit verbreitete Verallgemeinerungen, tragen dazu bei, dass Frauen weiterhin nicht ihrem individuellen Potential entsprechend betrachtet und behandelt werden. Und damit weiterhin dem Stereotyp - z. B. Mutter = Karriereaus und Teilzeitmodell - entsprechen. Dadurch wird für die nächste Generation die Deutung, was eine Frau kann und soll, weiter zementiert. Und wer kennt es nicht, den Spruch: “Das ist gut so, war schließlich schon immer so.” 

Wir stehen heute vor einem typischen Henne-Ei- Problem. Stillschweigend akzeptieren wir in der Masse diese Stereotype und hinterfragen sie höchstens am Rande. Die Politik sieht daher auch keinen großen Handlungsbedarf. Denn wenn wir schweigen, fordern wir ja auch nichts anderes. 

Es bräuchte nur ein paar wenige mehr, die es anders leben und davon sprechen. Ein durch positive Helden und Heldinnen ausgelöster Dominoeffekt in der Gesellschaft, um mit Philip Zimbardo zu sprechen.  

Realitätscheck:

Was heißt das denn nun konkret? Konkret haben wir drei Beispiele für Dich: 

Quote - (Hausaufgabe für Leser*innen: versuchen Verständnis zu üben!) 

Es gibt Verfechter*innen und Widersacher*innen der Quote. Warum? Die einen sagen, dass durch die Quote Frauen in Vorstände rücken könnten, die dafür gar nicht qualifiziert sind. Oder dass Unternehmen sich aus eigenem Antrieb heraus um weiblichen Nachwuchs im Vorstand kümmern sollten. Die anderen (wie wir) befürchten, dass sich die Unternehmen keine Gedanken zu dem Thema machen werden, solange die Politik keinen Druck ausübt (z.B. über die Quote). 

 

Ehegattensplitting - (Hausaufgabe für Leser*innen: zu Hause mal umdenken!) 

Wir kennen den Steuerklassensalat. Sie bleibt daheim mit den Kindern, er verdient ja eh mehr Geld. Macht einfach Sinn so. Sie erhält dank Steuerklasse V noch weniger Geld, er überweist ihr vermutlich Haushalts- und Taschengeld. Wie wäre es, wenn wir daheim mal umdenken würden? Beide Steuerklasse IV ? Sie erhält ihre Entlohnung, er seine. Das tolle: Es gehen keine Rentenansprüche verloren, unterm Strich und am Jahresende ist es sogar egal, ob es 3/5 oder 4/4 ist, denn summa summarum kommt netto immer das selbe Haushaltseinkommen raus. Aber beide setzen ein Zeichen: beide erhalten den Lohn, den sie erwirtschaftet haben. Es geht hier also auch um das Selbstwertgefühl und vielleicht motiviert das, sich hier oder da Gedanken zu machen, wie perspektivisch eine weitere Lohnerhöhung eingefordert werden kann. 

PayGap - (Hausaufgabe für Leser*innen: mehr Lohn fordern!)

Mit der Geburt eines Kindes ist es zumeist Frau, die künftig auf Vollzeitstellen auf dem Arbeitsmarkt verzichtet. In ihrer Rolle als Elternteil sieht sie sich damit herausgefordert, die drei Bälle Erziehung, Haushalt und Job in der Luft zu halten. Für den Geldbeutel bedeutet es ganz klar: 

Wer auf dem Arbeitsmarkt wenig arbeitet, verdient in der Regel auch weniger. In Deutschland verdienen Mütter zehn Jahre nach der Geburt des ersten Kindes im Schnitt 61 Prozent weniger als im Jahr vor der Geburt. 

Muss das so? Nein! 

 

 

Wer profitiert?

  • kurzfristig: männliche Kollegen auf dem Arbeitsmarkt. 

 

Wer zieht den Kürzeren?

  • Frauen, die Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt durch ihr Fernbleiben verringern

  • Frauen, die durch weniger Arbeit auch schlechter für ihr Alter vorsorgen können und sich in Abhängigkeit des Partners begeben

  • Die gesamte Gesellschaft, die viele qualifizierte Fachkräfte und starke Steuerzahlerinnen verliert

Wir fordern:

Wir fordern, dass wir alle einmal innehalten und überlegen wo wir umdenken können. Jeder kann ein Held sein! Frauen und Männer! Denn unsere wirtschaftliche und gesellschaftliche Realität wird immer noch durch unser Denken bestimmt und geleitet.

Unsere Forderungen an die Politik:

  • Bundesweite Imagekampagnen, die ein zeitgemäßes Rollenverständnis vermitteln. Bereits in Schulen sollten Kinder eine egalitäre Haltung erlernen.

  • Ausweitung der proegalitären Familienpolitik.

  • Rahmenbedingungen, die es Männern in Beruf und Gesellschaft erleichtern, die Kindererziehung mit zu übernehmen. 

 

Was kannst du tun?

Hast Du heute schon einen Kopfstand gemacht? Nicht? Wir auch nicht, ist zu schwierig. Leichter ist es bei uns mitzumachen! Werde Teil der Bewegung, zeige Flagge, tausche Dich aus! Wie? So….