Unterschiedliche Vergabequoten bei Krediten für Gründer*innen

Frauen werden bei der Kreditvergabe für Unternehmensgründungen benachteiligt.

Wie funktioniert die Vergabe von Krediten bei Unternehmensgründungen? Worum geht´s?

Es leben in diesem Land 42 Millionen Frauen. Das sind mehr als 50 Prozent der deutschen Bevölkerung. Trotzdem sind Frauen bis heute nicht zu gleichen Teilen an Entscheidungen in Wirtschaft und Politik beteiligt. Das spiegelt sich auch im Anteil der Firmengründungen durch Frauen und der Vergabe von Krediten an Frauen wieder.

 

Gründungen durch Frauen

Die meisten Gründungen durch Frauen fallen nicht in die Kategorie Startup-Gründung (= jünger als 10 Jahre, signifikantes Mitarbeiter- und Umsatzwachstum, mit ihrer Technologie oder Geschäftsmodell (hoch)innovativ). Laut KfW-Gründungsmonitor 2018 beträgt der Anteil der Gründungen durch Frauen insgesamt 37 Prozent, der Nebenerwerbsgründungen 43 Prozent und der Vollerwerbsgründungen nur noch 29 Prozent. Die Autoren des KfW-Gründungsmonitor betonen in ihrer Analyse den Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Arbeitsmarkt, auf dem nahezu Vollbeschäftigung herrscht, und der deutlichen Abnahme von Gründungen durch Frauen, wohingegen der Anteil der gründenden Männer gleichbleibend hoch ist.

 

Startup-Gründungen durch Frauen

Gerade mal bei 15,1 Prozent der Startups, die 2018 gegründet wurden, hat eine Frau das Sagen, geht aus dem Female Founders Monitor 2019 hervor. In Berlin werden die meisten Startups von Frauen gegründet (16,2 Prozent), Hamburg und München sind Schlusslicht (jeweils 10,5 Prozent). Die Regionen Stuttgart und Karlsruhe kommen auf 13,3 Prozent.

 

Frauen als VCs

Bei mageren vier Prozent liegt der Anteil der Investorinnen, sagt Peter Lennartz, Partner bei der Stuttgarter Unternehmensberatung EY.

 

Investments für von Frauen gegründete Startups

Ausschließlich weibliche Gründerteams bekommen in der Seed-Runde im Schnitt 82 US-Dollar für jede 100 Dollar, die ein männlicher Gründer von Investoren erhält.

  • Betrachtet man das gesamte vergebene Funding, zeigt sich, dass Gründerinnen seit 2012 jährlich etwa drei Prozent davon bekommen haben. Das macht 3,8 Milliarden US-Dollar.

  • In männliche Gründer wurde jährlich zwischen 86 und 90 Prozent des gesamten vergebenen Kapitals investiert.

 

An der Realität vorbei

Und das, obschon Unternehmen, die von Frauen gegründet werden, wirtschaftlich wesentlich erfolgreicher sind. Sie sind für VCs aber unattraktiv, da langsam aber stetes Wachstum, statt schnelle Vision mit Exit-Strategie nach 3-5 Jahren (und Scheitern 9 von 10 Startups).

 

Daraus folgt

Herausforderungen für Gründerinnen (nicht Start-up)

“Die Vergabe von zinsgünstigen Krediten und Bürgschaften der Förderbanken erfolgt über die Hausbanken. Hier zeigt sich in der Praxis, dass Frauen bei Kreditinstituten häufig abblitzen. Dies liegt zum einen an ihren geringeren Vermögenswerten, die Banken als Sicherheiten fordern, aber auch an den niedrigen Kreditbeträgen unter 20.000 Euro. "Die existierenden Kreditprogramme diskriminieren Frauen indirekt, da sie auf höhere Beträge und Sachinvestitionen zugeschnitten sind. Frauen benötigen hingegen Kapital zum Lebenserhalt und für die Zwischenfinanzierung des laufenden Geschäftes”.”

Eine zu knappe Kapitalausstattung kann gerade im zweiten und dritten Jahr durch Steuervorauszahlungen, Krankenkassen- und Rentenbeiträge zu Problemen führen.

Wer profitiert?
Tatsächlich kann niemand davon profitieren, wenn die Hälfte der Bevölkerung, die Hälfte des Talents, Grips und Bereitschaft etwas zu erschaffen, nicht gefördert wird.


Wer zieht den Kürzeren?
Gründungswillige Frauen, die Kredite beantragen und denen aufgrund der Bias bei der Kreditvergabe und Verteilung von Investitionen nicht dasselbe zugetraut wird, wie ihren männlichen Kollegen.  Dadurch können neue, wirtschaftlich funktionierende Unternehmen, die von Frauen gegründet und geführt werden, nicht entstehen oder nicht genug wachsen. Die Konsequenzen daraus für uns alle sind: Weniger Wachstum. Weniger neue Arbeitsplätze und weniger Abgaben an den Staat.

 

“Gut” zu wissen

Die Entscheidung zu gründen, fällt oft, weil Frauen an die gläserne Decken stoßen bzw. der Wiedereinstieg in den alten Job nicht flexibel genug möglich ist.

Was kannst Du tun?

Du bist Gründerin? Adressiere Ungleichbehandlungen.

Nutze VCs und Gründerinnennetzwerke, die das Potential von gründenden Frauen erkannt haben und fördern!

Du bist an Kreditvergabeentscheidungen beteiligt?

Untersucht die Vergabeprozesse hinsichtlich des Geschlechts der Kreditnehmer. Gibt es Unterschiede? Beruhen diese auf Vorurteilen? Mach darauf aufmerksam und rege eine vorurteilsfreie Kredit-/Investitionsvergabe an.

Du bist weder Gründer noch VC, aber bist überzeugt, dass sich bei der Vergabe von Krediten etwas ändern muss? Dann kannst du folgendes tun:

  • LinkedIn Social Icon
  • Twitter
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  • Leiste Aufklärungsarbeit: Spreche mit Freunden, Kollegen, Bekannten und Verwandten über dieses Thema

  • Teile die Thesen auf Twitter, Insta, Facebook, LinkedIn, Xing… mit #fragtuns. Wir wollen möglichst viele Menschen erreichen.

  • Schreibe direkt dem Ministerium eine Mail:  jeder Brief muss gelesen werden.

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Constanze Wolff