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auf aktuelle politische Entscheidungen.
Anrede,
vielen Dank für Ihre Email zum Thema Laufzeiten der Kernkraftwerke. Ich möchte Ihnen gern erläutern, wie ich zu diesem Thema stehe.
Zur Zeit laufen die ergebnis- und technologieoffenen Berechnungen und Vorbereitungen für das im Herbst erscheinende Energiekonzept der Bundesregierung. Dabei haben wir auch die Frage der Restlaufzeiten von Kernkraftwerken unter Einbeziehung aller relevanten Faktoren zu klären. Eine Entscheidung über die Höhe der Verlängerung der Laufzeiten von AKWs wird erst im Rahmen des Energiekonzepts getroffen werden, sodass ich ein Ergebnis zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorwegnehmen kann. Ich möchte betonen, dass wir ideologiefrei und sachlich klären werden, wie wir einen vernünftigen Übergang in das regenerative Zeitalter erreichen. Die rot-grüne Bundesregierung hatte seinerzeit einen willkürlichen Zeitpunkt für den Atomausstieg festgelegt, bedauerlicherweise ohne ein Gesamtkonzept vorzulegen, wie eine sichere, unabhängige und bezahlbare Energieversorgung möglich sein soll ohne Kernenergie.
Wir stehen jetzt vor dem Problem, dass bei der schrittweisen Abschaltung der Kernkraftwerke zu willkürlich gewählten Zeitpunkten (zwei wurden bereits abgeschaltet, das letzte nach Planung der rot-grünen Regierung 2022) die Stromversorgung nicht abgesichert ist. Die heutige Energieversorgung basiert auf dem Prinzip, dass grundlastfähige Kraftwerke den „Rückhalt“ bilden. Die Kernenergie liefert rund die Hälfte der Grundlast, also der „Rund-um-die-Uhr-Versorgung“ mit Strom. Die Umstellung auf regenerative Energien erfordert ein völlig neues Zusammenspiel verschiedener Faktoren und das braucht eine gewisse Zeit. Wenn wir die Kernkraftwerke voreilig abschalten, müssten wir Steinkohle, Braunkohle oder andere fossile Energieträger verwenden, um die Grundlast abzusichern, da der Ausbau der erneuerbaren Energien nur Hand in Hand mit dem Ausbau von Speichern und Stromnetzen vorangeht und noch lange nicht so weit ist.
Ferner kann es nicht gewollt sein, vor dem Hintergrund des Klimaschutzziels, bis 2020 gegenüber 1990 40 Prozent unserer CO2-Emissionen zu senken, die Grundlast durch Kohlekraftwerke zu ersetzen. Unsere ambitionierten Ziele, eine Steigerung von heute rund 16 Prozent erneuerbarer Energien auf 30 Prozent an der Stromversorgung im Jahre 2020 an der gesamten Energieerzeugung zu erreichen, verfolgen wir weiterhin energisch. Eine mögliche Laufzeitverlängerung wird diesem Ziel nicht im Wege stehen. Im Gegenteil – erneuerbare Energien und die Kernenergie sind für mich wichtige Teile, ja enge Partner im Energiemix der nächsten Jahre.
Wir stehen zu unseren ehrgeizigen Klimaschutzzielen und setzen uns mit großer Kraft dafür ein. Nicht zuletzt vor dieser Prämisse spielt die Kernenergie als Brücke in das regenerative Zeitalter eine wichtige Rolle. Uns geht es darum, eine sichere, saubere und bezahlbare Energieversorgung in Deutschland zu gewährleisten. Dafür ist ein ausgewogener Energiemix notwendig, der die Kernenergie als Brücke in das regenerative Zeitalter nutzt.
Mit freundlichen Grüßen
Helmut Brandt